Die Inflationswelle 2022–2024 hat Preiserhöhungen normalisiert. Nun sinken die Raten — Kern-Inflation in der Eurozone bei 2,4 % (Mai 2026). Für Pricing-Teams beginnt eine schwierige Phase: Die Rechtfertigungsbasis für weitere Preiserhöhungen schwindet, während Kosten auf hohem Niveau verharren.
Der Inflations-Tailwind, der Preiserhöhungen von 5–15 % zwischen 2022 und 2024 für Konsumenten akzeptierbar gemacht hat, lässt nach. Disinflation — sinkende, aber weiterhin positive Inflationsraten — verändert das Pricing-Umfeld grundlegend: Was früher durch externe Kostendruck-Narrative legitimiert wurde, muss jetzt durch Mehrwert verteidigt werden.
Die makroökonomische Lage: Zahlen für Deutschland
Statistisches Bundesamt, Juni 2026: Gesamtinflation 2,1 % (nach 5,9 % in 2023, 2,2 % in 2024). Kern-Inflation (ohne Energie und Nahrung) 2,4 %. Nahrungsmittelinflation: 1,1 % — nach Spitzenwerten von 22,3 % im März 2023. Der Inflationsschock ist abgeflaut. Für Verbraucher bedeutet das: Die Preiserhöhungs-Toleranz sinkt, weil die externe Begründung fehlt.
Besonders relevant: GfK-Konsumklima-Index zeigt für Q2 2026 eine Erholung der Kaufbereitschaft — aber gleichzeitig erhöhte Preissensitivität. Konsumenten erinnern sich an die Preisniveaus vor der Inflation und empfinden aktuelle Preise als dauerhaft zu hoch.
Das Shrinkflation-Paradox
Viele Lebensmittelhersteller haben während der Inflation Packungsgrößen reduziert statt Preise zu erhöhen ("Shrinkflation"). Nun entsteht das umgekehrte Problem: Wenn Inflationsrate sinkt, erwarten Konsumenten entweder Preissenkungen oder Größenerhöhungen — was beides margenkritisch ist. Nestlé, Unilever und P&G stehen unter dem Druck, ihre Preiserhöhungen der letzten Jahre zu rechtfertigen.
Strategien für die Post-Inflations-Phase
Drei Ansätze bieten sich an: (1) Wert-Kommunikation verstärken: Statt Preiserhöhungen zu begründen, Qualitäts- und Nachhaltigkeitsmerkmale in den Vordergrund stellen. (2) Selektive Preisanpassungen: Kategorien, in denen Wettbewerber Preise gesenkt haben, erfordern Reaktion; andere können gehalten werden. (3) Promotion-Frequenz kontrollieren: Zu häufige Aktionspreise in der Disinflationsphase konditionieren Konsumenten auf den Aktionspreis als Referenz.
Warum das für Pricing Manager wichtig ist: Die Inflationsphase hat das Pricing-Umfeld temporär erleichtert — Disinflation kehrt zur Normalität zurück, in der jede Preiserhöhung durch Mehrwert rechtfertigungsbedürftig ist. Teams, die ihre Preis-Positionierung 2022–2024 nicht strategisch verankert haben, stehen jetzt vor Korrekturbedarf.